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Trading mit CoT-Daten

Autor: Martin Später

Kapitel 1 – Einführung

Diese Artikelreihe soll das Trading mit CoT-Daten erklären. Du wirst hier alle Grundlagen finden die für den Handel notwendig sind. Die Idee ist ein umfassendes Nachschlagewerk zu verfassen, um sowohl Anfängern als auch Profis eine nützliche Hilfe im alltäglichen Handel zu sein.

Das Trading mit CoT-Daten zielt vor allem auf Rohstoffe – also Commodities – ab, daneben sind die Daten auch für US-Indizies, Bonds und Währungsmärkte verfügbar.

Nahezu alle Rohstoffe notieren in US-Dollar. Dies ist für Dich wichtig – da Du vermutlich im Euroraum lebst und auch Deine Kontowährung vermutlich auf EUR € läuft. In den Medien – egal ob Online, Print, Audio oder Video – werden die Kursmeldungen in aller Regel auf Dollar lauten. Der Hintergrund ist, dass die Mehrzahl der Rohstoffe eben an den US-amerikanischen Börsen gehandelt werden. Es gibt noch einige die am Finanzplatz London gehandelt werden – aber selbst diese werden überwiegend in Dollar ausgewiesen.

Damit haben wir bereits die erste Herausforderung, denn ein Kursanstieg in Dollar muss nicht automatisch einen Kursanstieg in Euro bedeuten. Dazu ein aktuelles Beispiel, im ersten Halbjahr 2020 ist der Goldkurs massiv angestiegen – in US-Dollar. Gleichzeitig ist der Dollar massiv gefallen und der Eurokurs im Gegenzug deutlich angestiegen. Was ist nun die Folge? Naja, der Dollarverfall hat den Goldpreisanstieg verstärkt, auf der anderen Atlantikseite hat der Euroanstieg den Preisanstieg bei Gold abgebremst. Auf Sicht von 6 Monaten ist so der Goldpreis in US-Dollar um 29% gestiegen (grüne Line) in Euro hingegen um 19% (blaue Linie) – also ein Performanceunterschied von 10%! 

Abb. 1: Goldpreis in $ und in €

Die Entwicklung am Devisenmarkt spielt also eine wichtige Rolle für Dich! Wer Rohstoffe, Bonds, US-Aktien oder US-Indizies kauft oder verkauft muss also immer die entsprechenden Entwicklungen am Devisenmarkt mit einbeziehen. Der einfachste Weg ist, ein Tradingkonto direkt in US-Dollar zu führen – das ist auch bei renommierten deutschen Brokern möglich. Es ist aber ebenso möglich direkt bei einem US-Broker ein Konto zu eröffnen – dazu kommen wir in einem gesonderten Kapitel, wobei ich keiner Bokerempfehlung aussprechen möchte, sondern lediglich die Möglichkeiten auflisten werde.

Kapitel 1.1 – Spot-Märkte und Futures

Der Ursprung des Rohstoffhandels geht im Grunde darauf zurück, dass ein Landwirt seine Ernte im Voraus auf Termin verkaufen wollte. Die Idee war, sich auf diese Weise gegen Preisschwankungen abzusichern, außerdem hatte er sofortigen Zugriff auf den Ertrag – also das Geld – dies verschaffte ihm Planungssicherheit. Dem Käufer der Ernte erging es genauso, er hatte Planungssicherheit was den Einkaufspreis anging und auch auf den Eingang der Ernte bzw. Ware. Sollten Lieferengpässe auftreten, so würde dies den Käufer nicht mehr betreffen. Diese Gruppe aus Erzeugern und Weiterverarbeitern bzw. Weiterverkäufern bildet die Gruppe der Commercials – das wird noch sehr wichtig. Denn diese Händlergruppe tätigt Absicherungsgeschäfte, um eine Ware zu einem bestimmten Preis an einem bestimmten Datum zu kaufen oder verkaufen! Sie haben dabei keine Gewinnerzielungsabsicht, sondern sichern ihr Geschäft ab! Ein Beispiel wäre die Lufthansa, die sich gegen steigende Ölpreise absichert um ihr Geschäft mit Flügen planbar zu machen. Gleiches gilt für Kellogg´s die Preisschwankungen beim Mais ausschließen wollen um ihr Endprodukt preisstabil für die Verbraucher anbieten zu können. Das Ganze nennt sich Hedging – also absichern.

Dieser Handel erfolgt natürlich mittlerweile komplett über Computer und ist vollständig standardisiert – dies läuft unter dem Begriff der Future-Märkte. Diejenigen die unmittelbar Ware gegen Geld tauschen wollen werden hingegen am Spot-Markt aktiv. Für Trader ist nur der Future-Markt von Interesse, da am Spotmarkt direkt Ware gegen Geld getauscht wird, bekommst Du dann auch tatsächlich 1.000 Fässer Rohöl geliefert, während der Futurekontrakt nur das Anrecht zum Warenbezug darstellt und im Depot verwaltet werden kann. Der Broker überwacht dabei das Ablaufdatum des Futurekontrakts und stellt diesen vor Erreichen des physischen Bezugs automatisch glatt, somit kann i.d.R eine physische Lieferung ausgeschlossen werden. Dennoch ist es immer besser, wenn Du Dich vor Ablauf des Kontraktes selbst um das sogenannte „rollen“ kümmerst – also Abbau der alten und ggf. Aufbau der neuen Position. 

Doch was ist ein Futurekontrakt eigentlich? Rohstoffe werden an den Terminbörsen als Futures gehandelt. Ein Future ist ein standardisierter Vertrag, der genau regelt, zu welchem Zeitpunkt, zu welchem Preis, in welcher Menge und in welcher Qualität der entsprechende Rohstoff geliefert werden muss. Wenn die Laufzeit des Futures endet, ist der Verkäufer verpflichtet, die Ware zu den vereinbarten Konditionen zu liefern. Der Käufer muss im Gegenzug die Ware abnehmen und den vereinbarten Preis bezahlen. Durch ein Future-Geschäft kann sich der Produzent schon heute einen festen Preis für sein erst in einigen Wochen oder Monaten geerntete Ware sichern. Der Käufer auf der anderen Seite kennt ebenfalls schon heute den zu zahlenden Preis, so dass er mit einer genauen Kalkulationsgrundlage arbeiten kann.

Der Future-Kontrakt hat eine begrenzte Laufzeit. Wenn er fällig wird, erfolgt der effektive Tausch zwischen Ware und Geld. Die meisten Marktteilnehmer wollen dies verhindern – also wird der Futurekontrakt vor Ablauf glattgestellt – eine Longposition wird verkauft, eine Shortposition wird zurückgekauft. Der dadurch erzielte Erlös wird direkt in den Future mit der nächstfälligen Laufzeit investiert – somit wird die Lieferung verhindert und die Investition fortgeführt. Aus taktischen Gründen ist es meist besser nicht einfach den Folgekontrakt mit der nächstfälligen Laufzeit auszuwählen, sondern den Folgekontrakt, der das höchste Handelsvolumen hat. Dieser ist liquider und die Anzahl der Händler ist größer. 

Kapitel 1.2 – Contango & Backwardation

Das regelmäßige Wechseln von einem Future in den nächsten hatte ich bereits als „rollen“ vorgestellt. An den Terminbörsen hat aber jeder einzelne Future auf ein und denselben Rohstoff seinen eigenen Preis! Es existieren alles mehrere Futures parallel nebeneinander mit unterschiedlichen Laufzeiten – diese Laufzeiten bedingen jeweils unterschiedliche Preise. Folglich wird der nächstfällige Future, in den gerollt werden soll, nicht genauso viel kosten wie der aktuelle (in Kürze auslaufende) Kontrakt. Im Regelfall ist der ein Kontrakt mit längerer Laufzeit (größere Zeitspanne bis zur Fälligkeit) teurer als ein Kontrakt der in kürze fällig wird. Wie das mit dem Regelfall so ist, kann es auch anders sein. Dann ist der aktuelle Kontrakt der teuerste und die mit längerer Laufzeit sind günstiger. Diese Konstellationen werden als Contango und Backwardation bezeichnet.

Beginnen wir mit dem Normalzustand, dem Contango. Wie schon beschrieben ist hier der aktuelle Kontrakt der günstigste und der mit der längsten Laufzeit der teuerste. Es ist deshalb der Normalzustand, weil Rohstoffe bis zu ihrem Liefertermin gelagert werden müssen. Diese Lagerkosten werden auf den Rohstoff aufgeschlagen, und je weiter der Liefertermin in der Zukunft liegt, desto höher sind die Lagerkosten und entsprechend der Aufschlag auf den Preis. Ein Contango ist gleichbedeutend mit einer steigenden Terminmarktkurve.

Dann kommen wir nun zur Backwardation. In diesem Fall ist der aktuell Kontrakt der teuerste und der Kontrakt mit der längsten Laufzeit der günstigste – fallende Terminmarktkurve. Der Preis also trotz steigender Lagerkosten immer günstiger wird. Eine Backwardation ist ein Ausnahmefall – es kann zu einer plötzlichen Verknappung durch schlechte Ernten kommen. Dann ist die Nachfrage nach der aktuellen Lieferung seht hoch und der Preis steigt. Der gleiche Rohstoff mit Liefertermin in einem Jahr ist aber deutlich günstiger, weil die Ernteprognose für das kommende Jahr wieder normal ist. Für den aktuellen Kontrakt haben wir eine hohe Nachfrage und ein geringes Angebot – also einen hohen Preis, der mit fortlaufendendem Liefertermin fällt – fallende Terminmarktkurve.

Eine Backwardation tritt nicht sehr häufig auf. Dennoch gibt es immer wieder Situationen in denen Rohstoffe auch über einen längeren Zeitraum in einer Backwardation bleiben. Wenn die Bedrohungslage im „nahen Osten“ – also den maßgeblichen Ölförderstaaten – ansteigt, kann eine Backwardation entstehen und auch sehr lange dauern. Dann wird alles kurzfristig verfügbares Öl gekauft, da niemand weiß wie viel noch nachkommen wird.

   

 Kapitel 1.3 – Warenterminbörse

Der Begriff Börse ist durch den Aktienhandel sicherlich genügend bekannt. Die Deutsche Börse in Frankfurt oder auch die New York Stock Exchange spielen beim Rohstoffhandel allerdings keine Rolle. Während beim Aktienmarkt ja praktisch jedes Land – selbst die sozialistischen und selbst die kommunistischen – mindestens eine Aktienbörse haben, sieht das auf dem Rohstoffsektor anders aus. Der Handel ist fast ausschließlich auf die USA und zu einem schon deutlich geringeren Teil auf Großbritannien beschränkt.

Dies hat schlicht einen historischen Hintergrund, denn hauptsächlich in den USA wurde bereits im 19. Jahrhundert der Handel mit landwirtschaftlichen Produkten standardisiert. Der erste Futurekontrakt über 3.000 Scheffel (Maßeinheit) Mais wurde bereits 1851 in Chicago abgeschlossen. Chicago ist noch heute die wichtigste Rohstoffbörse weltweit im Bereich der Soft Commodities. Der Film „Die Glücksritter“ – im Original viel passender „Trading Places“ aus dem Jahr 1983 mit Eddie Murphy und Dan Aykroyd spielt genau in diesem Umfeld – also am nächsten Wochenende unbedingt ansehen!

Die Aufgabe von Warenterminbörsen als Umschlagplatz für Rohstoffe liegt darin, das Erzeuger die Möglichkeit haben sich gegen zukünftige, nicht kalkulierbare Preisschwankungen abzusichern. Somit wird durch den Futurehandel eine sichere, standardisierte und kalkulierbare Vertragsgrundlage zwischen Produzenten und Abnehmern geschlossen. In die Preisbildung der einzelnen Kontrakte fließen in der Folge eine Vielzahl von Einschätzungen zur aktuellen und künftigen Marktentwicklung der jeweiligen Händlergruppierung ein. So werden Spekulanten eine Situation anders bewerten als ein Erzeuger.  Zumal – wie bereits erwähnt – ein Erzeuger die Absicherung im Sinn hat, während der Spekulant Gewinne mit seiner Position erzielen möchte.

Im Jahr 1848 wurde das Chicago Board of Trade (CBOT) gegründet und ist bis heute der bedeutendste Umschlagplatz für Rohstoffe. Wohlgemerkt für die Futurekontrakte und nicht für den physischen Rohstoff selbst. Die zweite große Adresse im Rohstoffhandel ist das New York Board of Trade (NYBOT). Es gibt noch zwei weitere Rohstoffbörsen jeweils in Chicago und New York – die Chicago Mercantile Exchange (CME) und die New York Mercantile Exchange (NYMEX) – letztere ist heute die größte Terminbörse weltweit. Zum Abschluss ist noch die London Metal Exchange (LME) zu nennen. Ihre Wurzeln gehen bis 1571 zurück und ist heute einer der größten Handelsplätze für Industriemetalle.